Art of Unity – Beeindruckender Abend im Hasper Hammer

VonAdmin

Art of Unity – Beeindruckender Abend im Hasper Hammer

Am Mittwochabend fand der von der Schülervertretng des Christian-Rohlfs-Gymnasiums initiierte, organisierte und durchgeführte Abend „Art of Unity!“ im Hasper Hammer statt.

Vor gut gefüllten Zuschauerrängen hielten neben dem Schulleiter Herrn Pütz auch der Hagener Oberbürgermeister Erik O. Schulz eine Rede und lobte die Schüler für ihr Engagement.

Einen ausführlichen Bericht hat die angehende Abiturientin Jasmine Dörband geschrieben (siehe unten), die Fotos hat Kyra Grüterich, ebenfalls Schülerin des aktuellen Abiturjahrgangs, gemacht. Vielen Dank dafür!

„Art of Unity“ – Einheit oder was?

Das Wort „unity“ kommt aus dem Englischen und hat bekanntlich viele verschiedene Übersetzungen, aber die gängigste ist „Einheit“. „Art of unity“ würde somit wörtlich „Kunst der Einheit“ bedeuten. Was sich genau hinter diesem Statement verbirgt, zeigte sich am 22.05.19 um 19 Uhr im Hasper Hammer, dort fand unter diesem Titel ein Kunstabend gegen Rassismus und für Zivilcourage statt. Der Schulleiter Michael Pütz, der Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Anne Nienaber-Willaredt, die Leiterin der Schulabteilung der Bezirksregierung Arnsberg waren extra für diesen Abend gekommen. Der Oberbürgermeister erklärte, dass er schon bei der Verleihung des Integrationspreises beeindruckt gewesen sei von dem Engagement der Schüler und die Einladung zu diesem Abend gerne angenommen habe. Er betonte, dass er das Engagement der Schüler ausdrücklich loben möchte und sich dafür bedanken möchte, dass sie ein Statement setzen, in einer Zeit, in der man gar nicht genug Zeichen setzen könne und dass er stolz darauf sei, wenn junge Leute sich für ihre Vorstellung eines gemeinsamen Zusammenlebens in der Stadt einsetzen. Auch Michael Pütz erklärte, dass er sich sehr auf den Abend freue, aber noch viel mehr überwiege der Stolz, dass die Schülervertretung diese tiefgründige Veranstaltung so autonom und gut geplant bzw. organisiert habe.

Es wurden an diesem Abend einzelne Projekte vorgestellt, die sich alle für Zivilcourage und Vielfalt einsetzen. Dort zeigte sich auch wie unterschiedlich das Motto „Art of Unity“ interpretiert werden kann. Die Tanz Einlage „Mask-off“ beschäftigte sich mit den Masken, die jeder Mensch trägt und dem Mut diese Maske fallen zu lassen und zu dem zu stehen, wer man ist. So erklärten bereits die Schülersprecherinnen Fabiana Ingrasciotta und Helin Ercosman, dass es Mut erfordere zu sagen „Ich bin ich!“, aber noch viel mehr Mut erfordere es zu sagen „Du bist du, und das ist gut so!“.

Bereits direkt zu Beginn des Abends in der Einleitung in die Veranstaltung durch die Schülersprecherinnen wurde es sehr tiefgründig und es wurde auf die Beweggründe eingegangen diesen Abend zu organisieren. „Es ist ein Thema, was uns alle angeht.“, so die Schülersprecherin Fabiana Ingrasciotta. Denn im November, einen Tag nach dem Friedensfest, wurde der Friedensbaum auf unserem Schulhof zerstört. Dieser Baum wurde ebenfalls als Zeichen gegen Rassismus und für Zivilcourage gesetzt und war mit Bändchen versehen, auf die alle Schüler etwas draufschreiben konnten. Die Schülervertretung des CRGs beschloss sich davon jedoch nicht einschüchtern zu lassen und organsierte weitere Aktionen, um auf die noch immer verbreitete Problematik aufmerksam zu machen. Es wurde versucht auch andere Schulen mit einzubeziehen und ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen, auch wenn dies nicht geklappt hat, lies sich die Schülervertretung nicht unterkriegen und hat auch alleine ein sehr umfangreiches und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Neben den Tanzeinlagen sang der Chor das Lied „This is me“, das die Botschaft vermittelte, stolz zu der Person zu stehen, die man ist und sich nicht dafür zu entschuldigen, wer man ist oder, dass man so ist, wie man ist und sich nicht aufgrund von Verletzungen zu verstecken, sondern durchzuhalten und zu kämpfen.

Aus einer ganz anderen Perspektive wurde das Thema von den Geschichtslehrern Laura Schwickert und Ingmar Vogel betrachtet, die nach eigener Aussage als die Lokalpatrioten in ihrer Fachschaft gelten und bei jeder Gelegenheit versuchen ein bisschen Lokalgeschichte in den Unterricht einfließen zu lassen. Sie haben das Projekt Hasper Friedenszeichen ins Leben gerufen und möchten dieses über ganz Haspe ausbreiten. Dafür wird jedes Jahr an einem ausgewählten historisch bedeutenden Ort ein Friedensbaum gepflanzt, aus allen gepflanzten Bäumen soll dann ein großes Friedenszeichen über ganz Haspe entstehen. Bisher wurden bereits drei Bäume gepflanzt: an dem Schlafenden Löwen vor der ev. Kirche in Haspe, an unserer Schule und dem Kaiser Friedrich Turm. Jedes Jahr am Volkstrauertag wird ein neuer Baum gepflanzt und auf dem Kirchplatz vor der ev. Kirche findet seit 2017 ein Friedensfest statt. Der Hintergrund dieses Projektes ist die Vermittlung von Lokalgeschichte als Integration, die Geschichte des Stadtteils gerät immer mehr in Vergessenheit und verliert an Bedeutung. Lokalgeschichte wird hier als Mittel der Integration genutzt, denn dort wo man sich auskennt, fühlt man sich eher beheimatet und angekommen.

Ein weiteres spannendes Projekt, was größer aufgezogen werden soll, ist der sogenannte „Courage Cube“. Das ist ein Würfel, der daran erinnern soll, in den wichtigen Momenten Courage zu zeigen und einzugreifen. Jeder Mensch kennt das Gefühl, wenn man sich ärgert in dem Moment nicht die Courage gehabt zu haben, um einzugreifen und sich wie am sprichwörtlich sagt „am Riemen zu reißen“. Auf diesem Würfel stehen Wörter wie Solidarity, denn diese Werte sollen durch die Aktion verbreitet werden. Nicht nur an der Schule, in der Stadt oder in Deutschland; sie wollen diesen Würfel über die ganze Welt verteilen. Dafür wurde die Courage Cube Competition gegründet, auch unter #CRGCCC zu finden. Bei dieser Competition kann jeder mit dem Courage Cube Bilder auf der ganzen Welt machen und diese werden dann drei verschiedenen Kategorien zugeordnet; Meilensammler (1. Platz für den Würfel, der die weiteste Reise zurückgelegt hat), Vielflieger (1. Platz für den Würfel, der die meisten verschiedenen Orte besucht hat) und Menschenmagnet (1. Platz für den Würfel, der die meisten Menschen mit auf dem Bild hat). Alles mit dem Hintergrundgedanken Menschen daran zu erinnern, Zivilcourage zu zeigen und aufzustehen gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Courage zu zeigen erfordert Mut, dies wurde in dem Ausschnitt des Stücks „Antigone“ der Theater AG deutlich. Antigone, die Nichte des Herrschers, stellte sich gegen die unmenschlichen Gesetze des Königs und riskierte ihr Leben, um ihren Bruder zu begraben. Sie hinterfragte die Gesetze, die der König erlassen hatte und nahm sich die Freiheit selbst ein Urteil zu fällen, zu lieben aus ihrer Familie, wen sie möchte, selbst über ihr Leben und ihren Tod zu entscheiden und an eine freie Gesellschaft zu glauben. Der König lässt sie daraufhin verbannen und einmauern, weil sie nicht in seine „Schablone“ passte. Das Stück wirft die Frage auf, ob man lieber im Strom mitschwimmen möchte und wie das Volk in dem Stück nur in schwarz-weiß Kategorien denken sollte oder ob man sich gegen Ungerechtigkeiten erhebt, sie aufdeckt und sich gegen die Gesellschaft stellt. Diese Frage wird in dem Stück immer wieder durch die Betonung des Namens „Antigone“ verdeutlicht; liegt die Betonung wie bei allen Wörtern auf dem „o“ oder wie die Protagonistin selbst erklärt auf dem „e“, weil ihr Name nicht den normalen Schemata entspricht.

Mut ist daher ein wichtiges Stichwort, auch Antigone zeigte Mut als sie sich gegen die normalen Muster auflehnte. Anne Nienaber-Willaredt, die Leiterin der Schulabteilung der Bezirksregierung in Arnsberg, erklärte in ihrer Rede, dass sie das Engagement der Schüler sehr schätze und bewundere, dass das CRG sich als Einheit verstehen möchte, deren zentrales Ziel es ist sich von Gewalt abzuwenden, eine offene Auseinandersetzung zu suchen und sich gegenseitig zu achten. Das CRG hat bereits seit sieben Jahren die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“. Das Projekt von „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ war ebenfalls ein Schülerprojekt, welches vor einiger Zeit ins Leben gerufen wurde und an dem nun bereits 3023 Schulen teilnehmen. Das CRG ist eine davon, die dieses Projekt erfolgreich leben und umsetzen. Jedes Jahr wird daher mindestens eine Aktion gegen Rassismus und für Courage veranstaltet, so gibt es zum Beispiel alle zwei Jahre das Sommerfest oder dieses Jahr den Kunstabend unter dem Motto „Art of Unity“.

In ihrer Rede berichtete Frau Nienaber-Willaredt von dem rumänischen Exilschriftsteller Norman Manea, der 1936 in Bukowina geboren wurde und der mit seiner Familie als Kind in ein rumänisches KZ deportiert wurde. Er überlebte und verließ 1986 Rumänien, er ging zunächst nach Berlin und dann in die USA. In seiner Biographie beschäftigt er sich mit der Frage, wie man mit verschiedenen Kulturen friedlich und freundschaftlich zusammenleben kann und damit umgeht, dass jemand einen ganz anderen kulturellen Hintergrund hat, als man selbst. Er beschreibt seine eigene Flucht und Themen wie Diskriminierung und Rassismus werden aufgegriffen.

Integration kann auch über Kunst erfolgen. Welche Bedeutung hat die Kunst im Zusammenhang mit Gemeinschaft und gegen Rassismus? Die Kunst als notwendige Pause von den Tretmühlen des Alltags, als Chance die Kreativität zurückzubekommen und als Methode die eigene Schönheit und das eigene Potential durch die Schönheit der Kunst zu entdecken, so erklärte Frau Nienaber-Willaredt die Bedeutung von Kunst in Anlehnung an Manea. Das CRG interpretierte diese Frage mit verschiedenen Kunstprojekten, zum Beispiel dem Projekt „Frieden mit Perspektive“, welches ebenfalls an diesem Abend vorgestellt wurde. Bei diesem Projekt haben sie einen Monat Street Art an der Schule durchgeführt, so wurde unter anderem ein Friedenszeichen an das Schulgebäude gesprayt oder es wurde ein Film gedreht, bei der die bewegende Geschichte eines Ehepaares auf der Flucht erzählt wurde. Sie gaben ihr ganzes Geld an die Schlepper, und kamen in ein überfülltes Boot, als sie sich weigerten in ein nicht seetaugliches Boot umzusteigen, machten die Schlepper ein Loch in ihr Boot, sodass es immer weiter sank. Viele starben, auch kleine Kinder, und die Überlebenden hatten den Mut und die Hoffnung verloren. Sie wurden erst nach Tagen von einem Handelsschiff gefunden und geborgen. In dem Film wurde immer wieder die Frage aufgegriffen, welche Schuld diese Menschen haben, dass sie sterben müssen ohne eine Zukunft zu haben? Diese Frage scheint offen zu bleiben und es kann an diesem Abend keine richtige Antwort darauf gefunden werden, aber es war spürbar nachdenklicher geworden in den Räumen des Hasper Hammers. Nicht nur an dieser Stelle zeigte sich die Tiefgründigkeit des Abends, es war eine permanente Mischung aus einem fröhlichen, humorvollen, aber auch nachdenklichen Zeichen.

Ein sehr erfreuliches Zeichen war dann aber ganz am Ende des Abends die Preisverleihung durch den Zonta Club an die Schülerin Rozhina Hadi. Der Zonta Club ist ein Zusammenschluss von berufstätigen Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Der erste Zonta Club wurde 1931 in Hamburg gegründet und zurzeit gibt es 134 Zonta Clubs bundesweit, aber der Zonta Club ist auch in vielen anderen Ländern vertreten. Anders als der Rotary Club kümmern sie sich ausschließlich um die Belange von Mädchen und jungen Frauen und vergeben einmal jährlich einen Preis für sozialengagierte Frauen im Alter von 16-19 Jahren. Dieses Mal erhielt Rozhina Hadi den Preis. Sie ist erst seit drei Jahren und acht Monaten in Deutschland und beherrscht die deutsche Sprache perfekt, sie ist Patin für die jüngeren Schüler an der Schule und Streitschlichterin und ist ehrenamtlich als Übersetzerin tätig, dort begleitet sie dann andere Menschen zum Amt, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Sie besucht Schülerakademien und hat nun die Zusage für die Schülerakademie 2019/2020 sowie für die Freigeistakademie bekommen und auch die Zusage eines Stipendiums. Die Voraussetzung für all dieses Engagement und die Schülerakademien ist, offen zu sein und offen auf andere Menschen zuzugehen, sowie Rozhina Hadi. Für diesen Einsatz wurde sie nun am 22.05.2019 mit dem Zonta Club Preis belohnt.

Der Abend endete mit diesem sehr erfreulichen Ereignis, aber auch mit einer Warnung, die nochmal auf die Intention des Abends aufmerksam machte; es wurde betont, dass der Abend nicht dazu gedacht war eine nette Unterhaltung zu sein, sondern auf die Problematik aufmerksam zu machen und auch die Schülersprecherinnen erklärten zum Abschluss des Abends, dass sie hofften, dass alle etwas von diesem Abend mitnehmen könnten und noch weiter darüber nachdenken würden, was die Message des Abends wäre, was man tun und weiterleiten könne, sodass noch viele wunderbare Projekte entstehen.

Der Kunstabend „Art of Unity“ war der Auftakt einer ganzen Reihe an Veranstaltungen (insgesamt 9 Veranstaltungen), die von dem CRG, der Gesamtschule Haspe und der Geweke Grundschule organisiert wurden. Der Leiter des Hasper Hammers erklärte, dass er sich sehr freue über die Initiative und das junge Leben in den Hallen des Hasper Hammers. Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend, von dem viele Leute sehr viel mitnehmen konnten und der viele Besucher nachdenklich stimmte.

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